Cerro Rico

Nach einiger Zeit habe ich endlich mal wieder Zeit gefunden, über meinen Tag im Cerro Rico (Potosí) zu berichten.

Der Cerro Rico ist ein Berg, der hauptsächlich für seine Mine bekannt ist. Dort arbeiten täglich noch ca.14.000 Menschen und insgesamt 80% der Bewohner aus Potosí. 

Samstagmorgen entschieden wir uns dafür, eine Tour durch die Mine zumachen. Nach langem überlegen buchte ich die Tour auch, da ich einen ziemlich großen Zwiespalt hatte, was das ganze Thema betrifft.

*Das sind alles persönliche Meinungen und Empfindungen! Und natürlich steht jeder anders zu diesem Thema.

Die Gründe, die mich zu dem Zwiespalt bewegt haben, sind folgende:

1.) Möchte ich, etwas für uns unbekanntes, begaffen, nur weil wir es nicht kennen?

2.) Wieso unterstützt man diese körperlich, sowie psychisch anstrengende Arbeit mit Ceibo(96% Alkohol) oder Cocablättern?

3.) Die Arbeiter dort, bekommen keinen Cent von unseren bezahlten Tour ab.

4.) Finde ich das ethisch vertretbar?

Nach langem Hin und Her überlegen, entschied ich einem nun doch dafür die Tour zumachen, da sich mir die Gelegenheit geboten hatte. Mit einem etwas mulmigen Gefühl stieg ich in die Micro ein, die uns zu einem kleinen Hinterhof brachte, bei der wir unsere Alltagskleidung gegen Minenkleidung tauschten. (siehe Bild)

Danach ging es ca.10 Minuten in der Micro weiter, bis zu einer Straße mit vielen kleinen Läden links und rechts. Unsere Tourgruppe bestand aus 6 Personen. Der Guide, zwei Australier und wir drei aus der WG.  Dort hatten wir die Wahl zwischen Coca, Ceibo, Handschuhen, Dynamit und einem Mundschutz, sowie Trinken. Da es so üblich ist, dass man den Arbeitern etwas mitbringt, ich aber die ersten beiden Dinge nicht unterstützen möchte, entschied ich mich für einen Mundschutz. Nachdem alles etwas gekauft hatten, ging es weiter auf den Cerro Rico.

Selten hatte ich ein so unwohles Gefühl bei einem Ausflug, wie bei diesem. Als wir oben ankamen hatten wir einen wunderbaren Blick über die ganze Stadt. Nach einer kurzen Fotosession ging es auch schon Richtung Mine. Dort kamen uns erstmal zwei Minenarbeiter, der eine 16, der andere 32, entgegen. Schwer bepackt mit abgesprengten Steinen in den typischen Minenwägen. Danach wurde uns die Taschenlampe angemacht und es ging los. Innerlich dachte ich mir zu diesem Zeitpunkt:“Bitte lass nichts passieren!“. Tausend Gedanken flogen mir durch den Kopf, als wir ca. 100 Meter in die Höhle reinliefen. Von Laufen kann eigentlich keine Rede sein, denn wir mussten ziemlich geduckt und mit Kopf nach unten laufen, damit wir uns den Kopf nicht anschlugen. Nach ca. 75m biegten wir nach links ab, auf einen Nebenpfad, der noch enger war, als der Hauptweg. Als wir am Ende des Weges ankamen, erklärte unser Guide vieles zu den Rohstoffen, was ich nicht mehr ganz zusammen bekomme. Er zeigte uns zudem, wie hier mit Dynamit gesprengt wird. Der nächste Schacht führte zu einem Silberarbeiter. In diesem Moment, als wir den Schacht hochklettern wollten, hörte man aus der Ferne eine Sprengung von Dynamit. Kurz stellten sich alle Nackenhaare, aber es ging weiter. In der Mine verliert man jedliche Zeitgefühl, da man die ganze Zeit im Dunkeln herumläuft. Schätzungsweise 10 Minuten kletterten wir eine wirklich schmalen, engen und niedrigen Schacht nach oben zu dem Minenarbeiter. Der 1,85 große Australier blieb unten, da es wirklich eng geworden wäre für ihn. Bis zu einen gewissen Punkt ist die Mine für große Menschen nichts. Nachdem wir die erste Etappe von drei geschafft hatten, merkte man schon, wie zunehmend die Luft enger wurde. Mittlerweile befanden wir uns auch schon auf 4500m. Nach einem weiteren Anstieg, bei dem ab und an ein paar Steine des Vormannes zu einem geflogen kamen, kletterten wir den letzten Anstieg mit Mühe und Not hoch zu dem Arbeiter. Der Anstieg, war einer der heftigsten, da man sich nirgends festhalten konnte, alles unbefestigt war und die Luft zunehmend dünner wurde. An dieser Stelle war ich froh, das ich meinen dicken Wollschal anhatte um diesen ab und an auch als Mundschutz nutzen zukönnen, wenn es mal wieder extrem staubig wurde. Oben angekommen, trafen wir auf einen 57-jährigen Minenarbeiter, der schon seit seinem 16. Lebensjahr dort oben arbeitet und noch weiter 6 Jahre vor sich hat. Erstaunlich fande ich, dass ein Mensch, solange unter solchen Bedingungen arbeiten kann. Jeden Tag diesen Weg, die schlechte Luft und zusätzlich die körperliche Arbeit. Die Arbeitsmaterialien bestehen aus einem Eisennagel und einem Hammer. Damit werden Löcher vorgeschlagen um später mit Dynamit zu sprengen. Auch hier hörte man wieder eine Sprengung. Bei einer Sprengung haben die Arbeiter fünf Minuten Zeit sich von dem Dynamit zu entfernen. Meist genügen laut Aussage des Guides, 40m. 

Nachdem der Mann unsere Mitbringsel bekommen hatte, ging es wieder nach unten. Den ganzen Weg von oben nach unten zurück, war ziemlich nervenaufreibend. Zudem trafen wir dann noch auf eine andere Gruppe, was das vorbeigehen mit der Montur und dem schmalen Weg nicht besser machte. Unten angekommen, trafen wir auf den Australier, der auf uns wartete. Dort mussten wir erstmal etwas trinken.

Nach fünf Minuten Pause, liefen wir wieder zurück, biegten nach rechts auf den Hauptweg ab und liefen wieder Richtung Ausgang. Dort hatten wir noch zwei weitere Stationen, allerdings mussten wir erstmal auf die Seite gehen, da auf dem Hauptweg die Gleise für die Minenwägen waren und zu diesem Zeitpunkt ein weiterer befüllter Wagen angerollt kam. Vergleichbar mit Kindern an einen Einkaufswagen. Links und Rechts jeweils ein Mann, die einen Fuß auf dem Wagen hatten und mit dem anderen sich abstoßten um voran zukommen. 

Danach gingen wir wieder in einen Nebenschacht und bekamen die Wächter der Mine erklärt. Da Cocablätter und Ceibo sehr beliebt sind, werden diese auch als Dankesgabe hingelegt. Cocablätter werden wir Blumen an der Hochzeit gestreut und Ceibo wird zu Ehren „Patchamamas“ auf den Boden geschüttet.Patchamama ist die Mutter Erde, die von den Getränken immer drei Schlücke abbekommt. Dabei wir zum Beispiel der erste Schluck der Liebe, der zweite Schluck dem Glück und der dritte Schluck dem ewigen Leben gewidmet. Das kann jeder sich selbst aussuchen. Der Rest aus dem Becher wird dann von einem selbst getrunken. Allerdings ist Ceibo ziemlich ekelhaft, weshalb meine Schlücke größer ausgefallen sind, damit ich sie nicht trinken muss.

Danach ging es weiter zu einer Minenkirche in der sich auch die Guadalupe befand. Hier waren wir nicht lange drin, was auch nicht schlimm war, denn danach ging es wieder Richtung Ausgang.Langsam merkte ich, wie die ganze Anspannung die ich die ganze Zeit mit mir trug, abfiel.

Draußen angekommen wurde erstmal tief ein und ausgeatmet. Dann bekamen wir noch drei Steine. Silber, Gold und Bronze. Schöne Erinnerungsstücke von einem einschneidenden Erlebnis, dass nicht mehr wiederholt werden muss.

Nachdem wir uns etwas geputzt haben, weil wir sehr dreckig waren, ging es wieder zur Micro und wir fuhren in eine Fabrik, in der aus den Steinen Silber gewonnen wurde. Alles sehr rustikal und mit viel Handarbeit verbunden. Zum Schluss bekamen wir 80%-iges Silber auf den Handrücken. 

Und hier endete unser Tag auch schon. Danach fuhren wir wieder zu dem Hinterhof,wechselten unsere Kleider und fuhren zurück ins Hostel.

Fazit: Auch wenn es ein sehr erlebnisreicher Ausflug war, würde ich diesen Ausflug nicht noch einmal machen. 

Eure Hannah

Unsere Minenkleidung
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